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Viele Generationen

Gestern war es so weit, in Steinheim wurde der dritte Bauabschnitt des Familien- und Generationenzentrums Steinheim eingeweiht. Mit Festgottesdienst, Festreden und Festschmaus. Es war eine schöne Feier und es wurde viel gelobt. Besonders in Erinnerung ist mir die Rede des Oberbürgermeisters von Hanau, Claus Kaminski, geblieben. Einen Gedanken davon greife ich hier mal auf.

Früher waren "die Alten" geschätzt und geachtet, weil "die Jungen" viel von deren Erfahrung lernen konnten. Heute ist das nur noch zum Teil so, viele Alten lernen von der jüngeren Generation den Umgang etwa mit Smartphone und Co. Aber viele "Alte" kommen sich auch zunehmend nutzlos vor, wenn sie erst mal aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. Wertigkeit wird hier viel zu oft über den "Gebrauchswert" oder den Wert auf dem Arbeitsmarkt definiert, leider.

Das Familien- und Generationenzentrum wird nun, mit dem dritten Bauabschnitt, um eine Tagespflege für all die älteren Menschen erweitert, die deren bedürfen. Claus Kaminski und die anderen Redner betonten in Ihren Ansprachen, daß diese Projekt nicht nur regional, sonder überregional ein Leuchtturmprojekt sei, stellt es doch das generationenübergreifende Zusammenleben in den Vordergrund. Ich finde die Idee auch nach wie vor einfach nur toll. Bilder von der Feier gibt es natürlich auch hier auf meiner Webseite:

Vorauseilendes Bedanken - Was soll das denn sein?

Was mir in letzter Zeit immer häufiger auffällt ist nicht der vorauseilende Gehorsam, sondern das vorauseilende Bedanken. Vor allem in Mails wird das immer schlimmer. Früher habe ich mal gelernt, daß man sich bedankt, wenn man etwas erhalten hat. Also in der Reihenfolge:

  1. Ich erhalte etwas
  2. Ich bedanke mich

Was jetzt aber immer häufiger vorkommt ist: "Vielen Dank, daß Du mir noch <dies und jenes> gibst". Das kann eine Rückmeldung sein, eine Information oder sonst noch etwas. Man bittet nicht um die Rückmeldung oder Information, sondern man bedankt sich schon mal, daß man diese erhalten wird.

Ich bin manchmal nahe dran zu antworten: "Vielen Dank für die 10€ die Du mir morgen schenkst!" habe mich aber bis jetzt noch beherrschen können. Im Grunde liegt in der Formulierung durchaus Druck, schließlich hat man den immateriellen Lohn, den Dank, ja schon erhalten, aber man hat noch nicht "geliefert" - ganz schlimm, wenn in der Danksagung gleich noch eine Terminsetzung drin ist. Oh Schreck, da muß man ja gleich noch ein schlechtes Gewissen bekommen, man hat ja sozusagen Schulden. Den Dank schon eingeheimst und dann nix geliefert, das sind ja schöne Zeitgenossen.

Vielleicht soll das ja auch eine Art Führungsinstrument, oder der neue Führungsstil im kooperativen Miteinander werden. Das wäre allerdings fatal: Führung mit dem Mittel der "Vorauseilenden in-Schuld-Bringung", oder was soll das sein. Gruselig.

Na wenn schon, ich habe mich bis jetzt als immun erwiesen, was solche Aufforderungen angeht. Die sprachliche und inhaltliche Entgleisung kann ich aber nicht so leicht verzeihen ;-)

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