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Höher....

... höher? Es geht wohl eher weiter bergab. Heute in der Zeitung zu lesen: "Bislang höchste Primzahl entdeckt". Na prima, dann sind Zahlen ja nun nicht mehr groß oder klein, sondern hoch oder tief? Auf jeden Fall steht damit fest, daß es sprachlich, was die Präzision angeht, weiterhin bergab geht und das ist schade. Woher sonst soll den ein Sprachgefühl kommen, wenn nicht aus den sogenannten Printmedien?

Obwohl die Meldung an sich ja schon sensationell ist. So wie es sich im Moment darstellt wurde die bislang größte Mersenne-Primzahl gefunden, möglicherweise die Mersenne-Primzahl mit der Nummer 49, die insgesamt mehr als 22 Millionen Stellen in dezimaler Darstellung besitzt. In dualer Darstellung bestehen die Mersenne Zahlen ja ausschließlich aus Einsen, da die eine Mersenne Primzahl die Form 2^n-1 hat. Für die jetzt gefundenen Primzahl ist n=74.207.281. Die Dualdarstellung der Zahl hat also mehr als 74 Millionen Stellen!

Der letzte Satz des Artikels bezieht sich offenbar auch nur auf die Mersenne Primzahlen, von denen (noch) nicht bekannt ist, ob es endlich, oder unendlich viele gibt. Primzahlen gibt es auf jeden Fall unendlich viele - das war schon den alten Griechen bekannt und Euclid hat es bewiesen.

Bildersprache

Schon seit längerem gibt es in der Werbung ja die Tendenz Aufmerksamkeit zu erregen, indem die Schreibung einzelner Wörter nun, sagen wir mal, kreativ verändert wird. Man denke nur an "Da werden Sie geholfen", oder "Sooo! muß Technik". Jetzt ist mir eine Werbung aufgefallen, die das ganz subtil im Rahmen der Bildsprache adaptiert. In der Bildsprache der Werbung ist ja auch Vieles möglich. Das Photoshop Magazin "DOCMA" hat in jeder Ausgabe ganz wunderbare Beispiele für Bildfehler. Die sind allerdings in der Regel (das hoffe ich doch) ungewollt. Da stimmt die Perspektive nicht, dort fehlt ein Schatten oder geht in die falsch Richtung und so weiter...

Die Firma Peek & Cloppenburg hat jetzt mit ihrer neuen Kampagne das auf ganz subtile Weise umgesetzt. Es sind eigentlich immer nur Kleinigkeiten die nicht stimmen, aber sie sind da. Vermutlich wird man so - unbewußt - zum Hinsehen verleitet. Auf jedem Plakat ist der Schriftzug "SALE" zu sehen und ein Buchstabe fällt immer heraus, er steht quasi hinter dem Motiv. Insgesamt eine interessante Idee, die aber auch zeigt, daß es wohl immer schwieriger wird, die Aufmerksamkeit der Werbekunden zu gewinnen. Wie dem auch sei, ich habe die Plakate in meine diesbezügliche, stetig wachsende, Sammlung aufgenommen und eine wirklich interessante Seite im Netz habe ich "beim Googeln" rund um Werbetexte auch noch gefunden: Klick!.

Formale Sprachen

Heute ist es mal wieder so weit und meine Veranstaltung über formale Sprachen startet an der Berufsakademie Rhein-Main. Im Vorfeld habe ich dazu diesmal die Webseite von "Altstar" Noam Chomsky besucht. Da habe ich aber nicht schlecht gestaunt. Der Mann ist auch wie vor unheimlich aktiv. Er war (und ist) ja schon immer ein wenig schräg, aber was er alles geleistet hat, insbesondere im Bereich der formalen Sprachen und der Grammatiken, das fordert doch schon erheblichen Respekt ab.

Ich freue mich immer wieder darauf, diese Thema zu behandeln, zumal es ja keineswegs abgeschlossen ist. Immer wenn ich die formalen Sprachen behandle wird mir erst richtig bewußt wie komplex die sogenannte "natürliche", also unsere, Sprache ist. Selbst mit den wirklich sehr komplexen Methoden der Grammatiken läßt sie sich nicht erschöpfend beschreiben, vielleicht ist es auch gerade das, was mich daran immer wieder fasziniert.



Vorauseilendes Bedanken - Was soll das denn sein?

Was mir in letzter Zeit immer häufiger auffällt ist nicht der vorauseilende Gehorsam, sondern das vorauseilende Bedanken. Vor allem in Mails wird das immer schlimmer. Früher habe ich mal gelernt, daß man sich bedankt, wenn man etwas erhalten hat. Also in der Reihenfolge:

  1. Ich erhalte etwas
  2. Ich bedanke mich

Was jetzt aber immer häufiger vorkommt ist: "Vielen Dank, daß Du mir noch <dies und jenes> gibst". Das kann eine Rückmeldung sein, eine Information oder sonst noch etwas. Man bittet nicht um die Rückmeldung oder Information, sondern man bedankt sich schon mal, daß man diese erhalten wird.

Ich bin manchmal nahe dran zu antworten: "Vielen Dank für die 10€ die Du mir morgen schenkst!" habe mich aber bis jetzt noch beherrschen können. Im Grunde liegt in der Formulierung durchaus Druck, schließlich hat man den immateriellen Lohn, den Dank, ja schon erhalten, aber man hat noch nicht "geliefert" - ganz schlimm, wenn in der Danksagung gleich noch eine Terminsetzung drin ist. Oh Schreck, da muß man ja gleich noch ein schlechtes Gewissen bekommen, man hat ja sozusagen Schulden. Den Dank schon eingeheimst und dann nix geliefert, das sind ja schöne Zeitgenossen.

Vielleicht soll das ja auch eine Art Führungsinstrument, oder der neue Führungsstil im kooperativen Miteinander werden. Das wäre allerdings fatal: Führung mit dem Mittel der "Vorauseilenden in-Schuld-Bringung", oder was soll das sein. Gruselig.

Na wenn schon, ich habe mich bis jetzt als immun erwiesen, was solche Aufforderungen angeht. Die sprachliche und inhaltliche Entgleisung kann ich aber nicht so leicht verzeihen ;-)

Rettet dem Dativ!

Immer wieder ein Ärgernis, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt und dann so etwas lesen muß. Kein Wunder, wenn die Fähigkeit sich halbwegs präzise in Schriftform auszudrücken stetig abnimmt.


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